Wenn eine Flanschverbindung undicht wird, ist die erste Reaktion oft ganz einfach: die Schrauben wieder festziehen.
Es fühlt sich praktisch an. Es fühlt sich schnell an. Und manchmal verschwindet sogar das sichtbare Leck.
Das heißt aber noch lange nicht, dass das Problem gelöst ist.
In vielen Fällen wird durch das Nachziehen lediglich die eigentliche Ursache der Undichtigkeit verdeckt. Die Verbindung kann weiterhin ungleichmäßig belastet sein, die Dichtung kann bereits beschädigt sein oder die Betriebsbedingungen können für die gewählte Dichtungslösung schlichtweg zu anspruchsvoll sein.
Mehr Drehmoment bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass ein höheres Drehmoment automatisch zu einer besseren Abdichtung führt.
Tatsächlich ist das Drehmoment nur ein indirekter Wert. Die tatsächliche Schraubenbelastung hängt von Reibung, Schmierung, Oberflächenbeschaffenheit, Montagefolge und dem Verhalten der Dichtung ab. Zwei Schrauben, die mit demselben Drehmoment angezogen werden, können dennoch sehr unterschiedliche Klemmkräfte erzeugen.
Deshalb kann das Nachziehen einzelner Schrauben neue Probleme verursachen, anstatt das ursprüngliche Problem zu lösen. Ein Bereich der Dichtung kann überlastet werden, während ein anderer nicht ausreichend zusammengedrückt wird. Das Ergebnis: vorübergehende Dichtheit, aber keine zuverlässige Dichtungsintegrität.
Das Leck ist nur das Symptom
Leckagen an Flanschen treten selten ohne Grund auf. Oft liegt die eigentliche Ursache tiefer:
· unzureichende Dichtungsspannung
· ungeeignetes Dichtungsmaterial
· ungleichmäßige Schraubenbelastung
· Relaxation nach dem Einbau
· Beschädigungen am Flansch oder an der Oberfläche
· Betriebsbedingungen, die bei der Konstruktion nicht berücksichtigt wurden
Werden diese Faktoren nicht verstanden, wird das Nachziehen zu einer routinemäßigen Wartungsmaßnahme statt zu einer Lösung.
Eine zuverlässige Abdichtung beginnt schon, bevor der Schraubenschlüssel zum Einsatz kommt
Eine sichere Flanschverbindung beginnt mit der richtigen Dichtung, den richtigen Daten und dem richtigen technischen Ansatz.
Bei kritischen Anwendungen helfen Berechnungen gemäß EN 1591-1 dabei, zu beurteilen, ob eine Flanschverbindung unter realen Betriebsbedingungen die erforderliche Dichtheit gewährleisten kann. Anhand zertifizierter Dichtungsdaten gemäß EN 13555 lassen sich Druck, Temperatur und Schraubenbelastung bewerten, bevor es im Betrieb zu Problemen kommt. Dieser ingenieurwissenschaftliche Ansatz wird auch in der Kommunikation von Revoseal zur Einhaltung der TA-Luft-Vorgaben verwendet.
Technische Lösung statt Nachziehen
Ein Nachziehen mag im Moment helfen. Es sollte jedoch niemals zur dauerhaften Dichtungsstrategie werden.
Echte Zuverlässigkeit beruht auf einer kontrollierten Schraubenvorspannung, einer geeigneten Dichtungstechnik und einer Flanschverbindung, die für die tatsächlichen Betriebsbedingungen ausgelegt ist.
Bei kritischen Flanschverbindungen lässt sich die tatsächliche Schraubenbelastung mithilfe von Wägezellen überprüfen, anstatt sich ausschließlich auf Drehmomentwerte zu verlassen. In Verbindung mit einer ordnungsgemäßen technischen Planung und Flanschberechnungen vermittelt dies ein klares Bild von der Dichtheit der Verbindung und hilft dabei, potenzielle Probleme zu erkennen, bevor sie zu wiederkehrenden Leckagen führen.
Kritische Flanschverbindungen erfordern während der gesamten Konstruktions-, Montage- und Betriebsphase besondere Aufmerksamkeit. Revoseal unterstützt Anlagenbetreiber mit technischem Fachwissen, Schraubenvorspannungsmessungen und Dichtungslösungen, um in anspruchsvollen Anwendungen eine zuverlässige und langfristige Dichtungsleistung zu gewährleisten.


